Nikolaus oder Weihnachtsmann?
Als Adventsheiliger bringt der Heilige Nikolaus Licht in die dunklen Winternächte und versüßt die Wartezeit auf das Weihnachtsfest. Wie kein Anderer ist er ein Anwalt der Kinder und stellt sich auf die Seite der Kleinen und Schwachen. Wer sich mit der Gestalt des heiligen Bischof Nikolaus von Myra auseinandersetzen möchte, findet dafür viele Anhaltspunkte in seiner Vita und den Legenden, die sich um seine Gestalt ranken.
Für erwachsene Christen überflüssig und für die Kinder verwirrend ist der Weihnachtsmann als Figur, die uns massenhaft auf Weihnachtsmärkten und in Schaufenstern begegnet und seit ein paar Jahren außerdem als Einbrecher an Balkonen und auf Dächern in Erscheinung tritt. Der weißbärtige Mann soll vor allem den Konsum ankurbeln, denn das Weihnachtsgeschäft ist in vielen Branchen umsatzentscheidend. Da er meistens mit einem roten, plüschbesetzten Bademantel und Bommelmütze bekleidet ist, sollte eigentlich keine Verwechslungsgefahr mit dem heiligen Bischof bestehen.
Trotzdem können viele Menschen die beiden vorweihnachtlichen Gestalten nicht auseinander halten. Das ist schade, denn ihre Botschaften sind grundverschieden.
Wenn wir Nikolaus als den Schutzpatron der Kinder feiern, frönen wir nicht dem Konsum, sondern sehen die Welt mit Kinderaugen. Und die ist oft gar nicht kuschelig und gemütlich: Kinderarbeit, Verwahrlosung, Kinderprostitution, Kindersoldaten, Missbrauch, fehlende Schulbildung, Hunger sind grausame Realitäten vieler Kinder dieser Welt. Im näheren Umfeld sind wir konfrontiert mit fehlernährten, schulisch oder sozial überforderten und gelangweilten Kindern ohne Aufgabe. Wenn wir Nikolaus feiern, lädt der Heilige uns dazu ein, unseren Umgang mit Kindern zu überdenken. Scheinheilige Familienförderung ist an seinem Tag fehl am Platz. Im Blick auf Weihnachten - wenn Gott selbst Kind wird - reklamiert der heilige Nikolaus die Rechte der Kinder.